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News vom 05.06.2019

Themenserie "Speicher für Energieautarkie und Mieterstromprojekte" - Teil 11

Welche Wärmeerzeuger sind zukunftsfähig? – 1. Teil: Biomasse

Der Markt bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, Wärme vor Ort selbst zu erzeugen. Bleibt es beim Willen der Bundesregierung, soll das auch so bleiben. Dann werden weiterhin – oder zumindest bis zum großen politischen Ziel der Klimaneutralität auch im Gebäudebestand 2050 – fossile (Gas, Öl, Flüssiggas) und erneuerbare (Solarthermie, Strom aus Erneuerbaren, Biomasse) Energien für Wärme im Heim sorgen.

Die verbreitetste Form, mit erneuerbaren Energien zu heizen, ist feste Biomasse in Form von Holz. <br />Bild: ZVSHK
Die verbreitetste Form, mit erneuerbaren Energien zu heizen, ist feste Biomasse in Form von Holz.
Bild: ZVSHK

Doch gewiss ist dies keineswegs. Fridays for Future und die starken Gewinne der Grünen bei der Europawahl könnten ein Umdenken schneller als gedacht in Gang setzen. Wie solch ein schneller Weg weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energieträgern im Wärmemarkt gehen könnte, zeigen unsere Nachbarn. In Dänemark herrscht ein Verbot für den Einbau von Öl- und Gaskesseln. Alte Geräte müssen entweder durch Fernwärme oder Wärmepumpen ersetzt werden. In der Schweiz werden Öl und Gas mit einer hohen Umlage belastet. In Schweden gibt es einen CO2-Preis von 120 Euro je Tonne CO2 auf fossile Brennstoffe. In Deutschland gibt es so etwas nur im Strommarkt, und auch da nur im börsennotierten Zertifikatehandel – derzeit mit einem Preis von 20 Euro je Tonne.

Alle diese Lösungen sind praktikabel, weil schon umgesetzt. Deutschland jedoch wird einen eigenen Weg finden müssen. Doch auf Erneuerbare zu setzen, kann dabei nicht ganz falsch sein, wie unsere Nachbarn zeigen. Zudem erfüllt man mit ihnen die Bestimmungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) sowie des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes (EEWärmeG) leichter. Beide sollen übrigens noch unter Bundeskanzlerin Angela Merkel in ein Gebäudeenergiegesetz zusammengefasst werden.

Hier eine Übersicht über die erneuerbaren Energien im Wärmemarkt, einige Planungsgrundlagen sowie Vor- und Nachteile.

1. Feste Biomasse

Biomasse ist die verbreitetste Form erneuerbarer Heizungstechnologien in Deutschland. Das liegt aber nicht am Umweltbewusstsein, sondern am guten alten Holz. Der Anteil erneuerbarer Wärme am Gesamtmarkt beträgt knapp 15 Prozent. Gut 90 Prozent davon decken Holz und Holzprodukte ab – und das in etwa 14 Millionen Einzelraumfeuerstätten, wie Kamine, Kaminöfen oder Kachelöfen amtlich bezeichnet werden. Fast 90 Prozent davon sind wiederum schon Bestandteil solcher hybrider Heizsysteme oder dienen der Erwärmung eines einzelnen Raumes. Der Einsatz von Holz als Kopplungsvariante für ein zu erneuerndes Heizsystem ist also eigentlich ein alter Hut. Planerisch richtet sich der Einbau einer Holzheizung nach der Heizlastberechnung. Berücksichtigt werden muss eine gesonderte Abgasanlage, die deutlich höhere Temperaturen als etwa eine Gas-Brennwerttechnik bewältigen muss.

  • Vorteile: hohe Preisstabilität auf niedrigem Niveau, primärenergetisch in der EnEV sehr gut bewertet
  • Nachteile: Investition hoch (bei Pellet oder Hackschnitzel etwa das Dreifache gegenüber Gas- oder Öl-Brennwert), Nachhaltigkeit durch Grauimporte insbesondere aus Osteuropa nicht immer gewährleistet, kann unter kommunale Verbrennungsverbote fallen

2. Flüssige und gasförmige Biomasse

Biomasse wird nicht nur als Festbrennstoff wie Holz im Wärmemarkt eingesetzt. Es gibt auch die Biogas- und Bioheizöl-Variante. Doch beide spielen am Markt nur eine untergeordnete Rolle – im Fall von Bioheizöl kann man gar nur von einer regionalen Bedeutung sprechen.

Biogas wird in Biogasanlagen hergestellt, wo es gereinigt und auf Methanstandard gebracht wird. Da die Verstromung von Biogas attraktiver ist als die Einspeisung ins Gasnetz, steht entsprechend wenig Biogas für die Wärmelieferung zur Verfügung. In Deutschland gibt es lediglich zwei Anbieter von reinen Biogasverträgen. Alle anderen Verträge, die Biogas beinhalten, machen das entweder über Grünstellung via Zertifikat oder mittels geringer Beimischungen.

Ähnlich ist es beim Bioheizöl. Das wird in einer Variante mit 10 Prozent Bio-Beimischung gehandelt. Dabei handelt es sich um ein verestertes Rapsöl (FAME). Einen nennenswerten Absatz gibt es nur in Baden-Württemberg, weil dort das landeseigene Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) bei Bestandssanierungen einen Einsatz von 15 Prozent erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung fordert. Bioheizöl gilt als anteilige Erfüllungsoption. Eine besondere planerische Berücksichtigung muss nicht erfolgen.

  • Vorteile: keine Investition, da keine weitere Komponente nötig, gute Verfügbarkeit, Biogas und Bioheizöl als gesetzliche Erfüllungsoption für EWärmeG anerkannt
  • Nachteile: Preise der Biokomponenten immer höher als fossile Optionen, Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bleibt bestehen

Ein zweiter Themenbeitrag am 07.06.2019 wird sich mit Solarthermie, Wärmepumpen und deren Betrieb mittels PV-Strom befassen.

Bisher erschienen:

1. Was ist Eigenversorgung und welche Komponenten braucht man dafür?
2. Wie ist die rechtliche Lage bei Strom-Eigenerzeugung und -verbrauch?
3. Welchen Bedarf hat ein Gebäude an Strom und wie plant man Eigenproduktion und  Eigenverbrauch?
4. Wie werden Stromspeicher in ein System zur Eigenversorgung eingebunden?
5. Wie erzeugt man selbst Strom? – BHKW
6. Wie erzeugt man selbst Strom? – Brennstoffzelle
7. Wie erzeugt man selbst Strom? – PV
8. Wie erzeugt man selbst Strom? – Andere Lösungen wie Miniwindanlagen
9. Welchen Wärmebedarf hat ein Gebäude?
10. Welche Rolle spielen Wärmespeicher bei der Deckung des Wärmebedarfs?
11. Welche Wärmeerzeuger sind zukunftsfähig?

Demnächst erscheinen:

12. Wie sollte die Warmwasserbereitung erfolgen?
13. Praxisbeispiele von Gebäuden mit hoher Eigenabdeckung an Strom und Wärme

Aktuelle Forenbeiträge
lowenergy schrieb: Grundsätzlich ist letzendlich die real benötigte elektrische Gesamtantriebsenergiemenge ausschlaggebend! Da beim Luftwärmepumpen logischerweise der Kältemittelverdampfer, je nach klimatischen Bedingungen...
Pluto25 schrieb: Weshalb schaltet die Pumpe bei über 50K Differenz ab? Diese Funktion mal außer Kraft setzen. Mit etwas Glück spült sich die Anlage dann wieder frei, in jedem Fall würde wenigstens wieder Wärme runterkommen...
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